— Entscheidungshilfe · Anlage
Sanieren oder ersetzen?
Die Frage entscheidet sich an drei Punkten: dem Zustand der Tragstruktur, der ausgeschöpften Ausnützungsziffer und der Wirtschaftlichkeit über die Restnutzungsdauer. Ist die Ausnützung nicht ausgeschöpft und die Substanz schlecht, spricht viel für den Ersatz. Ist die Struktur solide und die Ausnützung ausgereizt, lohnt sich die Sanierung fast immer.
- Für wen:
- Eigentümer von Bestandsliegenschaften, Anleger, Bauträger
- Wann:
- Vor einer grösseren Investitionsentscheidung
- Aufwand:
- Durchdenken 3 bis 5 Stunden, mit Fachpersonen mehr
- Punkte:
- 19
Die Substanz beurteilen
0/5Was tragend ist, entscheidet über die Optionen.
Das rechtliche Potenzial
0/5Hier entscheidet sich häufig alles.
Wirtschaftlichkeit
0/5Nicht vergessen
0/4— Typische Ausgangslagen
Mehrfamilienhaus aus den sechziger Jahren, Ausnützung nicht ausgeschöpft
Sanieren
- Tragstruktur intakt
- Mietverhältnisse langfristig
- Ertragsausfall vermeiden
- graue Energie erhalten
Ersetzen
- deutlich mehr Fläche möglich
- Substanz schlecht
- Schadstoffe vorhanden
- Grundrisse nicht marktgängig
Unsere Einschätzung
Bei nicht ausgeschöpfter Ausnützung und schlechter Substanz spricht viel für den Ersatz — die zusätzliche Fläche trägt die Mehrkosten oft. Prüfen Sie aber zwingend den Bestandesschutz: Wenn das heutige Gebäude Masse aufweist, die neu nicht mehr zulässig wären, kann der Neubau kleiner ausfallen als der Bestand.
Einfamilienhaus, Ausnützung ausgereizt, Tragstruktur solide
Sanieren
- Struktur intakt
- kein Flächengewinn möglich
- Bewilligungsrisiko vermeiden
- schneller bezugsbereit
Ersetzen
- Grundrisse unbrauchbar
- Schadstoffe umfangreich
Unsere Einschätzung
Ist die Ausnützung ausgeschöpft und die Tragstruktur solide, lohnt sich die Sanierung fast immer. Ein Ersatzneubau kostet mehr, dauert länger, trägt ein Bewilligungsrisiko — und schafft keine zusätzliche Fläche, die die Mehrkosten rechtfertigen würde.
— Zur Einordnung
Der Bestandesschutz wird regelmässig übersehen
Viele ältere Gebäude weisen Masse auf, die nach heutiger Bau- und Zonenordnung nicht mehr zulässig wären — grössere Höhe, geringere Grenzabstände, höhere Ausnützung. Solange das Gebäude steht, geniesst es Bestandesschutz. Wird es abgerissen, entfällt dieser Schutz: Der Neubau muss die heutigen Vorschriften einhalten und kann deshalb kleiner ausfallen als das, was heute steht. Diese Prüfung gehört an den Anfang jeder Ersatzüberlegung, nicht ans Ende.
Die Tragstruktur entscheidet über die Optionen
Ist Fundament, tragende Wände und Decken in gutem Zustand, lässt sich fast alles darum herum erneuern — Hülle, Technik, Grundrisse innerhalb der Struktur, Ausbau. Ist die Struktur beschädigt oder ungeeignet, wird jede Sanierung zum Fass ohne Boden, weil man an einer Substanz arbeitet, die selbst das Problem ist. Diese Beurteilung gehört an eine Fachperson und nicht an eine Schätzung.
Der Ertragsausfall wird unterschätzt
Ein Ersatzneubau bedeutet bei einem Mehrfamilienhaus zwei Jahre ohne Mieteinnahmen — bei einem Objekt mit 180'000 Franken Jahresertrag also 360'000 Franken entgangener Ertrag, plus die Kosten für Kündigung, allfällige Erstreckungen und Neuvermietung. Eine etappierte Sanierung im bewohnten Zustand ist aufwendiger in der Organisation, hält den Ertrag aber weitgehend aufrecht. Diese Differenz gehört in jeden Vergleich.
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