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— Verkauf · 7 Min. Lesezeit

Angebotspreis festlegen: Warum der erste Preis über den Erlös entscheidet

Der Angebotspreis entscheidet, wer sich für ein Objekt interessiert und wie lange es am Markt bleibt. Ein zu hoher Preis schreckt die besten Käufer ab und führt später zu Preisnachlässen, die mehr kosten als ein korrekter Start. Ein zu tiefer Preis verschenkt Geld, wenn kein Wettbewerb entsteht. Grundlage ist eine Bewertung mit Vergleichsdaten, ergänzt durch eine bewusste Preisstrategie.

Sajeevan Satkunam, Geschäftsführer der Immero AG

Sajeevan Satkunam · Eidg. Dipl. Immobilienbewerter

Verfasst und fachlich geprüft · Aktualisiert am 24. Oktober 2026

IMMERO AG · IMMOBILIEN BERN

Verkehrswert und Angebotspreis

Der Verkehrswert ist der Preis, der für eine Liegenschaft unter normalen Umständen erzielbar ist. Der Angebotspreis ist der Preis, mit dem sie auf den Markt geht. Beide sind nicht dasselbe. Der Verkehrswert ist eine fachliche Schätzung, der Angebotspreis eine strategische Entscheidung: Er bestimmt, wer das Inserat sieht, wie es wahrgenommen wird und wie sich die Verhandlung entwickelt. Eine gute Preisstrategie setzt den Angebotspreis bewusst im Verhältnis zum Verkehrswert fest, statt einfach die eigene Wunschzahl zu nehmen.

Warum zu hohe Preise teuer sind

Käufer suchen auf Portalen nach Preisklassen. Ein Haus, das 1.35 Millionen Franken wert ist und für 1.5 Millionen Franken inseriert wird, erscheint bei vielen passenden Interessenten gar nicht, weil sie bis 1.4 Millionen suchen. Wer es dennoch findet, vergleicht es mit besseren Objekten zum selben Preis. Die Folge sind wenige Anfragen und eine lange Vermarktung. Nach einigen Wochen wird der Preis gesenkt, und das Objekt gilt als Ladenhüter. Erfahrungsgemäss endet ein zu hoch gestartetes Objekt oft unter dem Preis, der bei korrektem Start möglich gewesen wäre.

Drei Preisstrategien

Die erste Strategie setzt den Angebotspreis knapp über dem erwarteten Wert und lässt einen kleinen Verhandlungsspielraum. Sie passt zu Objekten mit normaler Nachfrage. Die zweite setzt den Preis auf den Wert und signalisiert, dass wenig verhandelt wird; sie eignet sich für klar vergleichbare Objekte. Die dritte setzt einen attraktiven Richtpreis leicht unter dem Wert, um viele Interessenten anzuziehen und ein Bieterverfahren auszulösen. Sie passt zu sehr gefragten Objekten. Welche Strategie richtig ist, hängt von Lage, Objekt und Marktlage ab.

Grundlage: eine Bewertung mit Vergleichsdaten

Jede Strategie braucht einen belastbaren Verkehrswert. Für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser ist die hedonische Bewertung mit lokalen Vergleichsdaten Standard, ergänzt durch eine Besichtigung, die Zustand, Ausbau und Besonderheiten erfasst. Online-Tools liefern eine erste Indikation, rechnen aber mit Durchschnittswerten und übersehen Unterschiede innerhalb einer Gemeinde. In Bern-Mittelland liegen zwischen zwei Lagen derselben Gemeinde oft mehrere tausend Franken pro Quadratmeter. Eine lagegenaue Bewertung ist deshalb die Grundlage jeder Preisstrategie.

Die Rolle der Bank des Käufers

Ein Preis, den kaum eine Bank belehnt, verkleinert den Käuferkreis auf jene mit viel Eigenkapital. Banken bewerten vorsichtig und belehnen nach dem Niederstwertprinzip. Liegt der Kaufpreis deutlich über der Bankbewertung, muss die Käuferin die Differenz zusätzlich aus Eigenmitteln decken. Verkäufer sollten deshalb wissen, wie Banken ihr Objekt einschätzen. Ein Angebotspreis im Rahmen der Bankbewertung macht den Verkauf sicherer und schneller.

Was tun, wenn der Preis nicht stimmt

Kommen nach zwei bis drei Wochen kaum Anfragen oder nach den Besichtigungen keine Angebote, ist der Preis fast immer zu hoch. Dann ist eine klare, einmalige Anpassung besser als mehrere kleine Schritte, die Schwäche signalisieren. Hilfreich ist, die Vermarktung mit neuen Fotos oder einer überarbeiteten Präsentation neu zu starten. Noch besser ist es, den Fehler gar nicht erst zu machen: Ein korrekter Start ist der wirksamste Weg zu einem guten Preis.

Was das für Bern-Mittelland bedeutet

Im Kanton Bern sind die Preise für Wohneigentum über die letzten zwölf Monate um rund 2.8 bis 2.9 % gestiegen (RealAdvisor, Stand September 2026). Innerhalb der Region ist die Spannweite gross: In der Stadt Bern werden Eigentumswohnungen in Zentrumslagen über 10’200 CHF/m² gehandelt, in Köniz um 7’900, in ländlicheren Gemeinden des Kiesentals oder Gürbetals deutlich darunter. Eine schweizweite Faustregel führt deshalb regelmässig in die Irre — massgebend ist immer die konkrete Lage.

Verkaufen in einem Nachfragemarkt

In weiten Teilen von Bern-Mittelland übersteigt die Nachfrage das Angebot — für Verkäuferinnen und Verkäufer ein günstiges Umfeld, das aber zu einem verbreiteten Fehler verleitet: einem überhöhten Ansatzpreis. Bleibt ein Objekt zu lange am Markt, gilt es rasch als Ladenhüter und wird am Ende unter Wert verkauft. Wirtschaftlich relevant ist zudem die Grundstückgewinnsteuer, die mit der Besitzdauer sinkt, sowie die Frage, ob offen oder diskret über ein Off-Market-Netzwerk vermarktet wird.

So gehen wir in Bern-Mittelland vor

In der Praxis beginnt jedes Mandat mit einer lagegenauen Einschätzung statt einer Pauschalzahl: Wir schauen auf die konkrete Gemeinde, das Quartier, den Objekttyp und den baulichen Zustand und vergleichen mit realen Transaktionen aus der Region. Erst danach besprechen wir die Strategie — beim Verkauf etwa die Frage, ob offen oder diskret über unser Off-Market-Netzwerk vermarktet wird, bei der Finanzierung den Vergleich über mehr als 25 Banken- und Versicherungspartner. Betreut werden Sie dabei direkt durch die Geschäftsführung, nicht durch wechselnde Ansprechpersonen. Wir arbeiten in Köniz, Liebefeld, Bern, Ostermundigen, Ittigen, Muri, Belp, Worb, Münsingen und über dreissig weiteren Gemeinden der Region — mit eigenen Marktdaten für jede davon. Das Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich.

Datengrundlage und Methodik

Die genannten Kennzahlen stützen sich auf öffentlich überprüfbare Quellen: Leitzins und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank, den hypothekarischen Referenzzinssatz des Bundesamts für Wohnungswesen, die kantonalen Bestimmungen zu Grundstückgewinn- und Handänderungssteuer sowie Transaktions- und Angebotsdaten spezialisierter Marktdatenanbieter für den Raum Bern. Wo eine Zahl geschätzt ist, weisen wir sie als Schätzung aus, statt eine Genauigkeit vorzutäuschen, welche die Datenlage nicht hergibt. Marktdaten veralten: Massgebend ist der angegebene Stand, und vor einer Transaktion prüfen wir die Zahlen für Ihr konkretes Objekt neu. Dieser Beitrag vermittelt Orientierung und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.

Quellen und Rechtsgrundlagen

Stand: 24. Oktober 2026. Fachlich geprüft durch Sajeevan Satkunam. Zitiervorschlag: Immero AG (2026): Angebotspreis festlegen: Warum der erste Preis über den Erlös entscheidet. https://www.immero.ch/ratgeber/angebotspreis-festlegen

— Häufige Fragen

Antworten zum Thema.

Auf Basis einer Bewertung mit Vergleichsdaten aus der Region und einer Einschätzung der Nachfrage. Danach entscheidet man, ob man knapp über, auf oder leicht unter dem erwarteten Wert startet.
In einem Nachfragemarkt wenig. Ein Aufschlag von wenigen Prozent ist üblich, grössere Aufschläge verkleinern den Interessentenkreis, weil Käufer nach Preisklassen suchen.
Weniger Anfragen, weniger Besichtigungen, längere Vermarktung. Nach einigen Wochen folgt eine Preissenkung, und Käufer fragen sich, was mit dem Objekt nicht stimmt.
Nein. Der amtliche Wert ist ein Steuerwert und liegt meist deutlich unter dem Marktwert.

— Bern-Mittelland

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