Warum der Boden so viel wert ist
Eine Liegenschaft besteht aus zwei Teilen mit völlig unterschiedlichem Verhalten: dem Gebäude, das altert und abgeschrieben wird, und dem Boden, der nicht altert und in guten Lagen über die Zeit an Wert gewinnt. Wie gross der Anteil des Bodens am Gesamtwert ist, hängt fast ausschliesslich von der Lage ab. In der Stadt Bern oder in Muri bei Bern macht der Boden einen grossen Teil des Werts aus, in ländlichen Gemeinden einen deutlich kleineren. Diesen Anteil nennt man relativen Landwert.
Die Formel
Der relative Landwert ist der Landwert geteilt durch den Gesamtwert der Liegenschaft. Ein Einfamilienhaus mit einem Gesamtwert von 1.5 Millionen Franken auf einem Grundstück mit einem Landwert von 600’000 Franken hat einen relativen Landwert von 40 Prozent. Dieselbe Kennzahl lässt sich umgekehrt nutzen: Kennt man den relativen Landwert einer Lage und den Neuwert des Gebäudes, kann man den Landwert schätzen. Darauf beruht die Lageklassenmethode, die in der Schweiz von Bewertern als Hilfsmittel eingesetzt wird.
Wie die Lageklasse bestimmt wird
Die Lageklassenmethode bewertet ein Grundstück anhand mehrerer Kriterien, typischerweise Standort und Bedeutung der Gemeinde, Nutzungsmöglichkeiten, Wohn- oder Geschäftslage, Erschliessung durch Verkehr und Infrastruktur sowie Marktverhältnisse. Jedes Kriterium wird mit einer Punktzahl eingestuft, der Durchschnitt ergibt die Lageklasse. Aus Tabellen leitet sich der zugehörige relative Landwert ab. Eine gute Wohnlage in der Agglomeration Bern landet in einer höheren Klasse als ein Dorf mit schwacher ÖV-Anbindung.
Ein Beispiel
Ein Grundstück in Köniz wird als gute Wohnlage mit sehr guter Erschliessung eingestuft. Der relative Landwert für diese Lageklasse liegt bei rund 40 Prozent. Ein Neubau auf dem Grundstück würde inklusive Umgebung und Nebenkosten 900’000 Franken kosten. Wenn 900’000 Franken 60 Prozent des Gesamtwerts entsprechen, beträgt der Gesamtwert 1.5 Millionen Franken und der Landwert 600’000 Franken. Bei einer Grundstücksfläche von 600 Quadratmetern ergibt das rund 1’000 Franken pro Quadratmeter — ein Wert, der mit Vergleichspreisen plausibilisiert werden muss.
Grenzen der Methode
Die Lageklassenmethode beruht auf Erfahrungswerten und einer subjektiven Einstufung. Zwei Bewerter können dieselbe Lage unterschiedlich einstufen, und schon eine Klasse Unterschied verschiebt den Landwert erheblich. Wo genügend Vergleichsverkäufe von Bauland vorliegen, sind diese aussagekräftiger. Die Methode taugt deshalb vor allem als Plausibilisierung und in Gebieten mit dünner Datenlage. Wer einen Landwert hört, der sich allein auf eine Lageklasse stützt, sollte nach den Vergleichsverkäufen fragen.
Wozu Eigentümer den Landwert kennen sollten
Der Landwert ist bei mehreren Entscheidungen zentral. Bei einem älteren Einfamilienhaus auf einem grossen Grundstück kann er den Gebäudewert übersteigen; dann lohnt sich die Frage, ob ein Käufer an einem Ersatzneubau oder einer Verdichtung interessiert ist. Bei Erbteilungen und Scheidungen hilft die Aufteilung in Land und Gebäude, die Bewertung nachvollziehbar zu machen. Und bei der Abgabe im Baurecht ist der Landwert die Basis für den Baurechtszins. In unseren Bewertungen weisen wir den Landwert deshalb separat aus.
Was das für Bern-Mittelland bedeutet
Im Kanton Bern sind die Preise für Wohneigentum über die letzten zwölf Monate um rund 2.8 bis 2.9 % gestiegen (RealAdvisor, Stand September 2026). Innerhalb der Region ist die Spannweite gross: In der Stadt Bern werden Eigentumswohnungen in Zentrumslagen über 10’200 CHF/m² gehandelt, in Köniz um 7’900, in ländlicheren Gemeinden des Kiesentals oder Gürbetals deutlich darunter. Eine schweizweite Faustregel führt deshalb regelmässig in die Irre — massgebend ist immer die konkrete Lage.
Bewertung mit lokalen Vergleichsdaten
Für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser ist die hedonische Methode Standard — der statistische Vergleich mit realen Transaktionen. Ihre Qualität steht und fällt mit der Dichte lokaler Vergleichsdaten: Ein überregionales Tool rechnet mit dem Kantonsdurchschnitt und übersieht, dass sich Lagen innerhalb einer Gemeinde um mehrere Tausend Franken pro Quadratmeter unterscheiden können. Für Mehrfamilienhäuser gilt stattdessen das Ertragswertverfahren, bei dem schon ein halbes Prozent Unterschied beim Kapitalisierungssatz den Wert erheblich verschiebt.
So gehen wir in Bern-Mittelland vor
In der Praxis beginnt jedes Mandat mit einer lagegenauen Einschätzung statt einer Pauschalzahl: Wir schauen auf die konkrete Gemeinde, das Quartier, den Objekttyp und den baulichen Zustand und vergleichen mit realen Transaktionen aus der Region. Erst danach besprechen wir die Strategie — beim Verkauf etwa die Frage, ob offen oder diskret über unser Off-Market-Netzwerk vermarktet wird, bei der Finanzierung den Vergleich über mehr als 25 Banken- und Versicherungspartner. Betreut werden Sie dabei direkt durch die Geschäftsführung, nicht durch wechselnde Ansprechpersonen. Wir arbeiten in Köniz, Liebefeld, Bern, Ostermundigen, Ittigen, Muri, Belp, Worb, Münsingen und über dreissig weiteren Gemeinden der Region — mit eigenen Marktdaten für jede davon. Das Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich.
Datengrundlage und Methodik
Die genannten Kennzahlen stützen sich auf öffentlich überprüfbare Quellen: Leitzins und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank, den hypothekarischen Referenzzinssatz des Bundesamts für Wohnungswesen, die kantonalen Bestimmungen zu Grundstückgewinn- und Handänderungssteuer sowie Transaktions- und Angebotsdaten spezialisierter Marktdatenanbieter für den Raum Bern. Wo eine Zahl geschätzt ist, weisen wir sie als Schätzung aus, statt eine Genauigkeit vorzutäuschen, welche die Datenlage nicht hergibt. Marktdaten veralten: Massgebend ist der angegebene Stand, und vor einer Transaktion prüfen wir die Zahlen für Ihr konkretes Objekt neu. Dieser Beitrag vermittelt Orientierung und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.
Quellen und Rechtsgrundlagen
- Immero Marktindex Bern-Mittelland (Datensatz mit Quelle, Stand, Konfidenz)
- Bundesamt für Statistik: Bau- und Wohnungswesen
- Geoportal des Kantons Bern (Zonenpläne, ÖREB-Kataster, Naturgefahren)
Stand: 24. Oktober 2026. Fachlich geprüft durch Sajeevan Satkunam. Zitiervorschlag: Immero AG (2026): Relativer Landwert und Lageklasse: Wie die Lage den Bodenwert bestimmt. https://www.immero.ch/ratgeber/relativer-landwert-lageklasse
