Die Idee hinter DCF
Eine Renditeliegenschaft ist so viel wert wie die Geldflüsse, die sie künftig abwirft. Die Discounted-Cashflow-Methode nimmt diese Aussage wörtlich: Sie prognostiziert Jahr für Jahr die Einnahmen und Ausgaben, meist über zehn Jahre, und zinst die resultierenden Netto-Cashflows mit einem Diskontierungssatz auf heute ab. Am Ende der Periode wird ein Restwert angesetzt, ebenfalls abgezinst. Die Summe ergibt den Marktwert. Institutionelle Anleger wie Pensionskassen und Immobilienfonds bewerten ihre Portfolios in der Schweiz überwiegend auf diese Weise.
Was in die Cashflows einfliesst
Auf der Einnahmenseite stehen die Mieten nach aktuellem Mieterspiegel, deren Entwicklung entlang der mietrechtlichen Möglichkeiten — Referenzzinssatz, Teuerung, Mieterwechsel —, Leerstände und Mietausfälle. Auf der Ausgabenseite stehen Betriebskosten, die der Eigentümer trägt, Verwaltung, Instandhaltung und geplante Instandsetzungen wie Fassaden- oder Heizungssanierungen. Gerade diese Investitionen machen den Unterschied zur einfachen Kapitalisierung: Eine Sanierung in Jahr vier senkt den Cashflow in diesem Jahr, kann aber später höhere Mieten erlauben.
Der Diskontierungssatz
Der Diskontierungssatz ist die wichtigste Annahme. Er setzt sich meist aus einem risikolosen Zins, etwa der Rendite langfristiger Bundesobligationen, und Zuschlägen für das allgemeine Immobilienrisiko, die Lage, das Objekt und die eingeschränkte Handelbarkeit zusammen. Er wird mit Transaktionen vergleichbarer Liegenschaften kalibriert. In einem Umfeld tiefer Zinsen sind die Sätze gesunken, was die Werte gestützt hat. Steigt der Satz um einen halben Prozentpunkt, sinkt der Wert einer langfristig gehaltenen Liegenschaft spürbar — oft um zehn Prozent und mehr.
Ein vereinfachtes Beispiel
Ein Mehrfamilienhaus in Ostermundigen erzielt einen Netto-Cashflow von 180’000 Franken pro Jahr, der mit einem Prozent jährlich wächst. In Jahr fünf steht eine Fassadensanierung von 400’000 Franken an. Bei einem Diskontierungssatz von 3.5 Prozent ergibt sich über zehn Jahre ein Barwert der Cashflows von rund 1.2 Millionen Franken, abzüglich der abgezinsten Sanierung. Der Restwert nach zehn Jahren, kapitalisiert mit einem etwas höheren Satz, macht den grössten Teil des Gesamtwerts aus. Genau das ist die Schwäche: Der Restwert dominiert und hängt an einer einzigen Annahme.
DCF und Ertragswert im Vergleich
Die Ertragswertmethode teilt einen nachhaltigen Jahresertrag durch einen Kapitalisierungssatz. Sie ist einfach und für stabil vermietete Objekte ohne grössere Veränderungen gut geeignet. Die DCF-Methode spielt ihre Stärke aus, wenn sich die Situation über die Jahre ändert: Mieten unter Marktniveau, die bei Mieterwechsel angepasst werden können, absehbare Sanierungen, Leerstände oder ein Umbau. Für private Verkäufer eines kleineren Mehrfamilienhauses ist die Ertragswertmethode oft verständlicher; institutionelle Käufer rechnen trotzdem mit DCF.
Worauf Sie achten sollten
Wenn Sie eine DCF-Bewertung erhalten, prüfen Sie drei Dinge: den Diskontierungssatz und seine Herleitung, die Annahmen zur Mietentwicklung im Verhältnis zum Mietrecht und den Anteil des Restwerts am Gesamtwert. Liegt der Restwert bei achtzig Prozent und mehr, hängt die Bewertung fast vollständig an der Annahme für das Jahr zehn. Wer ein Mehrfamilienhaus verkauft, sollte wissen, wie institutionelle Käufer rechnen. Eine eigene DCF-Analyse hilft, deren Angebote zu verstehen und sauber zu verhandeln.
Was das für Bern-Mittelland bedeutet
Im Kanton Bern sind die Preise für Wohneigentum über die letzten zwölf Monate um rund 2.8 bis 2.9 % gestiegen (RealAdvisor, Stand September 2026). Innerhalb der Region ist die Spannweite gross: In der Stadt Bern werden Eigentumswohnungen in Zentrumslagen über 10’200 CHF/m² gehandelt, in Köniz um 7’900, in ländlicheren Gemeinden des Kiesentals oder Gürbetals deutlich darunter. Eine schweizweite Faustregel führt deshalb regelmässig in die Irre — massgebend ist immer die konkrete Lage.
Renditeobjekte in der Region
Marktüblich sind in Bern-Mittelland Bruttorenditen von rund 5 bis 6 % bei reinen Anlageobjekten, 4 bis 5 % bei Wohn- und Geschäftshäusern und 3 bis 4 % in Premiumlagen. Entscheidend ist die mietrechtliche Leitplanke: Bei einem Referenzzinssatz von 1.25 % liegt die zulässige Nettorendite bei maximal 3.25 % (Art. 269a OR). Renditeangaben, die auf überhöhten Sollmieten beruhen, halten einer Prüfung nicht stand — und werden auch von finanzierenden Banken nicht mitgetragen. Das Worblental gehört zu den Regionen mit dem höchsten Bestand an Renditeobjekten rund um Bern.
So gehen wir in Bern-Mittelland vor
In der Praxis beginnt jedes Mandat mit einer lagegenauen Einschätzung statt einer Pauschalzahl: Wir schauen auf die konkrete Gemeinde, das Quartier, den Objekttyp und den baulichen Zustand und vergleichen mit realen Transaktionen aus der Region. Erst danach besprechen wir die Strategie — beim Verkauf etwa die Frage, ob offen oder diskret über unser Off-Market-Netzwerk vermarktet wird, bei der Finanzierung den Vergleich über mehr als 25 Banken- und Versicherungspartner. Betreut werden Sie dabei direkt durch die Geschäftsführung, nicht durch wechselnde Ansprechpersonen. Wir arbeiten in Köniz, Liebefeld, Bern, Ostermundigen, Ittigen, Muri, Belp, Worb, Münsingen und über dreissig weiteren Gemeinden der Region — mit eigenen Marktdaten für jede davon. Das Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich.
Datengrundlage und Methodik
Die genannten Kennzahlen stützen sich auf öffentlich überprüfbare Quellen: Leitzins und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank, den hypothekarischen Referenzzinssatz des Bundesamts für Wohnungswesen, die kantonalen Bestimmungen zu Grundstückgewinn- und Handänderungssteuer sowie Transaktions- und Angebotsdaten spezialisierter Marktdatenanbieter für den Raum Bern. Wo eine Zahl geschätzt ist, weisen wir sie als Schätzung aus, statt eine Genauigkeit vorzutäuschen, welche die Datenlage nicht hergibt. Marktdaten veralten: Massgebend ist der angegebene Stand, und vor einer Transaktion prüfen wir die Zahlen für Ihr konkretes Objekt neu. Dieser Beitrag vermittelt Orientierung und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.
Quellen und Rechtsgrundlagen
- Bundesamt für Wohnungswesen: hypothekarischer Referenzzinssatz
- Bundesrecht (OR, ZGB, Verordnungen): Systematische Rechtssammlung des Bundes
- Immero Marktindex Bern-Mittelland (Datensatz mit Quelle, Stand, Konfidenz)
Stand: 24. Oktober 2026. Fachlich geprüft durch Sayan Satkunam. Zitiervorschlag: Immero AG (2026): DCF-Methode: Renditeliegenschaften nach Cashflows bewerten. https://www.immero.ch/ratgeber/dcf-methode-renditeliegenschaft
